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3. MI'SANORA UND DAS HERZFEUER

Es war einmal ein kleines Drachenmädchen namens Mi’sanora.

Sie war ein Funkenbündel – ein Wirbel aus Freude, Frechheit und einem Herzen, das so warm brannte, dass man neben ihr niemals fror.

 

Oft verlor sie sich in ihrer Fantasiewelt, in der sie sich wie zuhause fühlte. Dort konnte sie sein, wie sie war, und ihr Herz flüsterte: „Jaaa, genau so ist es schön für mich.“ Mehr brauchte sie nicht, um Frieden und Ruhe zu spüren.

 

In der Natur sprangen ihr die Funken der Weisheit wie kleine Sternchen entgegen. Sie sammelte sie ein wie Sterntaler und bewahrte sie tief in ihrem Herzen. Die Natur lehrte sie, wie einfach das Leben sein kann – ungeschminkt, natürlich und voller Freude im Herzen.

 

Manchmal, wenn sie lachte, sprühten winzige Funken aus ihren Nasenlöchern – kleine goldene Sternchen, die im Gras helle Punkte hinterließen. Überall, wo sie hinging, verteilte sie diesen Sternenstaub, zog Blicke auf sich und stand im Mittelpunkt – selbst dann, wenn sie es gar nicht beabsichtigte. Nichts schien mehr zu strahlen als das Licht, das sie verteilte.

 

Durch ihre liebevollen Augen schien alles bunter, heller, lebendiger. Doch genau diese Sicht brachte sie manchmal in Schwierigkeiten – denn nicht alle sahen, was sie wahrnehmen konnte. Ihre einzigartigen Fähigkeiten, ihre Hellsinne, ihre Freude – all das machte sie zu einem Strahlenbündel, das man nicht übersehen konnte.

 

Doch eines Tages geschah etwas, das Mi’sanora nicht verstand. All die Farben und das Leuchten, das sie in allem sah – offenbar konnte nur sie allein es sehen. Die Menschen und Drachen um sie herum blickten verwirrt, manchmal sogar etwas verängstigt, wenn Mi’sanora von ihrer Freude erzählte. Sie konnten nämlich die bunten Glückspunkte nicht sehen, die für Mi’sanora selbstverständlich waren. Und sie sahen auch nicht die unzähligen weißen Pünktchen, die erschienen, wenn das Drachenmädchen vor Freude tanzte.

 

Einige Menschen, die zuvor begeistert von ihrer Glückseligkeit gewesen waren, zuckten plötzlich zurück, wenn sie ihr Herzfeuer spürten. Manche verschlossen sich in ihre Höhlen, als hätten sie Angst vor ihrer Leichtigkeit und Wärme.

 

Und dann kamen die Worte, die alles veränderten:

 

„Du bist zu viel.“

„Du bist zu wild.“

„Du bist zu hell.“

„Du bist zu heiß.“

 

Mi’sanora glaubte ihnen.

 

Ihr kleines Herz wurde schwer und traurig.

 

Sie setzte sich in einen dunklen Raum und baute in dieser Nacht eine Herzmauer – Stein für Stein. Nicht aus gewöhnlichen Steinen, sondern aus unterdrückter Wärme, zurückgehaltenen Funken, verschluckten Tränen und nicht gesprochenen Wahrheiten.

 

Sie glaubte, ihr Licht verstecken zu müssen, um nicht mehr „zu viel“ zu sein.

 

Sie spielte immer weniger draußen in der Natur und blieb lieber in ihrer kleinen dunklen Höhle.

 

Eines Tages kam ein junges Drachenmädchen vorbei, sah Mi’sanora mit weisen Augen an und sagte:

„Dein Herz ist so warm – warum hast du es zugemauert?“

 

Mi’sanora erschrak.

Wie konnte sie das sehen, hinter dieser dicken Mauer?

Mein Feuer ist doch viel zu schwach, dachte sie, um hindurch zu scheinen.

 

Während sie noch darüber nachdachte, war das Drachenmädchen bereits verschwunden.

 

Mi’sanora grübelte lange nach.

Wie konnte sie es sehen?

Gerne hätte sie das Drachenmädchen gefragt – aber … sie war weg.

Manchmal, wenn Mi’sanora lange genug in ihrer dunklen Höhle gesessen hatte, begann etwas in ihr zu kitzeln.

Es war, wie ein winziger Funke, der in ihr flüsterte. «Komm, schau wieder hinaus in die Welt.» Sie verstand nie ganz, warum das so war, doch dieser kleine Funke gewann jedes Mal.

Und so schlüpfte sie eines Tages wieder aus ihrer kleinen Höhle heraus, denn mitten in ihrem Bauch fühlte sie, dass heute etwas Besonderes warten könnte.

Als sie dem Gefühl folgte, stand sie plötzlich auf einem Fest voller Musik , Lichter und fröhlicher Stimmen und dort sah sie das Drachenmädchen wieder.

 

Einige Zeit später sah Mi’sanora sie auf einem Fest wieder. Doch dieses Mal war sie nicht allein – zwei weitere Drachenmädchen kicherten und strahlten mit ihr um die Wette.

 

Mi’sanora traute sich nicht zu ihnen zu gehen, bis sie plötzlich gerufen wurde:

 

„Komm, Mi’sanora! Du fehlst noch in unserem leuchtenden Kleeblatt. Du machst das Glück komplett.“

 

„Wir haben dein Licht gespürt“, sagten sie.

„Wir möchten dir helfen.“

 

An diesem Abend geschah etwas Sonderbares.

Die drei Drachenmädchen begannen ganz sanft an Mi’sanoras Herzmauer zu klopfen und zu hämmern. Plötzlich brach ein riesiges Stück aus der Mauer heraus – und das Herzfeuer kam zum Vorschein.

 

Mi’sanora weinte leise und war so erleichtert, dass Stein für Stein, Sandkorn für Sandkorn die Mauer sich auflöste.

 

Plötzlich sprang ein leuchtender Funke heraus, tanzte, wirbelte, lachte – und Mi’sanora lachte mit, zum ersten Mal seit langer Zeit.

 

Die drei Mädchen freuten sich, lachten, tanzten und wirbelten gleichermaßen wild umher.

 

Mi’sanora war so dankbar, dass die Mädchen ihr geholfen hatten – ohne Drängen, ohne Ziehen.

Nur mit ihrer Liebe, die das Licht und Feuer in ihr befreien wollte.

 

Dann geschah das Wunder:

Mi’sanoras Herz begann wieder zu glühen.

 

Erst leise.

Dann stärker.

Dann so hell, dass die Sterne um sie herum wie kleine Freunde zu tanzen begannen.

 

Für einen kurzen Augenblick verstummte das Fest.

Alle staunten – dann erhob sich ein lautes Jubeln der Drachenkinder im Saal:

 

„Mi’sanora ist wieder da! Endlich ist sie wieder da!“

 

Damals wurde das ganze Drachenland wieder hell.

 

Und alle, die dabei waren, erzählten später:

 

„An diesem Abend hat ein kleines Herz nicht Feuer gefangen –

 

sondern Feuer freigelassen.“

 

danke an Michaela Ahlers, für diese wundervolle Geschichte, die Bilder und die Worte

hier könnt ihr den Film auf Youtube anschauen

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