Krawudra – die Drachin, auf dem Felsen
Krawudra war schon als kleines Drachenmädchen ein Wirbelwind aus Feuer und Freude.
Sie hatte immer tausende Ideen – und brachte die anderen Drachenkinder zum Lachen,
bis sich ihre Schuppen vor Vergnügen kringelten.
Sie war die Älteste in ihrer Feuerlinie – und das war gar nicht so einfach. Sie hatte viel Verantwortung zu tragen.
Denn jeden Abend musste sie ihre kleinen Geschwister einsammeln,
damit alle brav in die Schlafhöhle kamen.
Aber kaum rief Krawudra:
„Kommt, ihr Funkenflitzer, es ist Schlafenszeit!“
– flogen sie in alle Richtungen davon!
Da wurde Krawudra manchmal richtig wütend.
Ihr Bauch begann zu glühen, ihr Feuer zu brodeln –
und mit einem lauten Fauchen sprühte sie Funken über das ganze Feld.
Manchmal roch man noch Stunden später die verbrannte Erde.
Und sie hatte eine ganz besondere Eigenart:
Immer, wenn sie Feuer spuckte, rief sie hinterher:
„ICH BIN SO KRAWUTISCH!“
Das war ein uralter Drachenruf für pure, unverfälschte Empörung.
Doch in Wirklichkeit bedeutete krawutisch viel mehr:
Es war der Moment, in dem ein Drache sein inneres Feuer so kraftvoll spürte,
dass er das Lichtnetz, das alle Wesen auf Erden miteinander verbindet,
für einen Herzschlag lang emporheben und wieder absenken konnte.
Es bebte dann leise – wie ein Atemzug des ganzen Universums.
Solch Energie und Kraft war in diesen Worten….
Für Drachenwesen ist Feuerspucken gar nicht schlimm.
Sie befreien sich damit von dem, was sie im Inneren bedrückt.
Und aus der verbrannten Erde wächst meist schon im nächsten Frühling
neues, leuchtend grünes Leben.
Ausserdem – DAS INNERE FEUER IST die URKRAFT – der Funke der Seele, der uns lebendig werden lässt.
Krawudra wusste das zwar,
aber manchmal tat es ihr leid, wenn sie zu viel Feuerfunken sprühte
und die anderen Drachenkinder sich hinter den Bäumen verstecken mussten.
Trotzdem liebten sie alle –
und sie wussten ja inzwischen ziemlich gut,
wann es an der Zeit war, in Deckung zu gehen.
Doch Krawudra war nicht nur feurig – sie war auch voller Magie.
Denn wenn sie mitten im Zorn plötzlich zu lachen begann,
geschah jedes Mal ein kleines Wunder:
Ihre Feuerfunken verwandelten sich in abertausende Seifenblasen!
Sie tanzten durch die Luft, glitzerten bunt in der Sonne
und machten alle froh – sogar Krawudra selbst.
Im Laufe der Jahre kamen viele Wesen zu ihr auf den Felsen,
um mit ihr zu reden und ihre Gesellschaft zu suchen.
Einer kam besonders oft:
Der Feuersalamander.
Er war kein gewöhnliches Tier, sondern ein Hüter alter Drachenweisheit.
Er erschien immer dann, wenn große Wandlungen und Veränderungen bevorstanden.
Er setzte sich neben sie, schweigend oder erzählend,
und half ihr, das Feuer in ihren Gefühlen nicht als Fehler zu sehen,
sondern als Zeichen dafür, dass sie
eine Feuerträgerin und Lichtbringerin war –
lange bevor sie selbst spürte, wofür sie bestimmt war.
Je älter sie wurde, desto größer wurde auch ihr Feuer.
Manchmal war es so stark, dass sie kaum noch atmen konnte. Sie hatte vergessen, wie sie damit spielen konnte und was ihre besondere Gabe war.
Sie war müde, wollte ihr Feuer zähmen –
aber das Feuer wollte frei sein.
Und dann, in einer klaren Vollmondnacht,
erinnerte sie sich plötzlich an etwas aus ihrer Kindheit – es war, wie wenn eine Mauer vor ihrem Drachenherz zusammenfallen würde.
Den Moment,
in dem sie ihre Wut ganz bewusst in den Himmel geschickt hatte –
nur ein paar kleine Flammen,
sanft, aber voller Wahrheit.
Als ihr wieder klar wurde, dass all ihre Prüfungen des Lebens dazu da waren, um sie empor zu heben und innerlich voll Kraft erglühen zu lassen.
Da wusste sie wieder, was zu tun war - sie atmete tief ein,
ließ das Feuer in sich größer werden, bis es von Innen jede Drachenschuppe berührte und ihren Herzraum erfüllte.
und dann geschah wieder dieser Zauber der Verwandlung:
Aus ihrem Maul sprangen bunte, funkelnde Seifenblasen,
die wie kleine Sonnen über die Wiesen tanzten.
Da erinnerte sie sich:
Ihr Feuer war niemals ihr Feind gewesen.
Es war ihre Kraft.
Ihr Kompass.
Ihr Wegweiser.
Wenn sie Wut in Mut verwandelte,
wenn sie Empörung in Anhebung verwandelte,
wenn sie ihr Feuer tanzen ließ –
wurde sie zur Meisterin ihrer eigenen Macht.
Seitdem sieht man sie manchmal am Himmel,
fliegend über dem Regenbogen,
so laut lachend vor Freude, dass sogar der Regenbogen sich kringelt.
„Und wer genau lauscht, hört vielleicht sogar ein leises Hallelujah –
das tiefe Ausatmen der Elemente und des Lichtnetzes,
wenn ein Funke echter Lebendigkeit das Universum berührt.“
Herzliche Grüsse von Stefanie
Hier kannst du das Video auf meinem Youtubekanal anhören.

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