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Die etwas andere Weihnachtsgeschichte

 

©Stefanie Seiler, November 2019

 

LiWi spricht mit seiner Seele

 

 

«Hallo liebe Seele, ich bin gerade aufgewacht. Ich bin noch etwas ausser mir, aber ich würde dir gerne von einem berührenden Traum erzählen.»

 

«Guten Morgen lieber LiWi», spricht die Seele mit ruhiger Stimme «ich spüre, du bist sehr aufgewühlt. Natürlich,  kannst du mir davon erzählen. Ich war zwar bei dir in dem Traum und habe alles gesehen, aber gerne würde ich die Geschichte nochmal von dir selbst hören.»

 

 

«Danke.» sagt LiWi erleichtert, es ist ihm so wichtig, dass er darüber reden kann.

 

 «Ich habe heute im Traum viele Menschen auf der ganzen Welt gesehen und ich konnte spüren, wie tief traurig, wütend und ängstlich sie sind. Glaub mir, das war wirklich nicht schön. Ich bin dann nur noch dagestanden und habe das Geschehen ohnmächtig beobachtet. Beinahe wurde ich in dem Strudel dieser Emotionen mitgerissen, ich wusste aber auch, sie sind ein Teil von mir.  Ich wollte flüchten. Dieses Leiden zu spüren, war kaum auszuhalten für mich. Es war grauenhaft.»

 

 

«Oh ja, das ist wahrlich nicht angenehm. Ich weiss, dass es dich sehr berührt hat.»

spricht die Seele mit sanfter Stimme.

 

 

«Ja!» LiWi muss tief seufzen und ist unglaublich erleichtert, dass er von seiner Seele so viel Verständnis bekommt.

 

«Dann war da plötzlich ein Stern am Himmel. Er hat so strahlend geleuchtet und ich konnte meinen Blick nicht mehr von ihm abwenden. In meinem Innersten wusste ich, dass er mich führen will und ich ihm folgen sollte. Auf einmal war ich voll Zuversicht.»

 

«Der Stern hat mich über Berge und durch Täler geführt – ich bin weit gewandert. Es war aber mühelos, weil ich in tiefem Vertrauen war. Auch viele der Menschen sind diesem Licht gefolgt. Irgendwann kamen  wir an einen Ort, an dem nichts weiter war, als eine grosse, wunderschöne Wiese.»

 

 

«Erzähl weiter, lieber LiWi» ich bin bei dir und war immer bei dir.  

 

 

«Erstmal passierte scheinbar nichts» erklärt LiWi – «wir sind dort angekommen und haben uns alle hingesetzt. Aber es wurde ruhig in uns. Eine erwartungsvolle Stimmung war zu spüren. Dann erschien ein strahlendes Wesen über uns, alles und jeder wurde von seiner lichtvollen Erscheinung eingenommen. Es breitete seine Arme aus und hielt seine Hände über uns. Und stell dir vor, liebe Seele…» in LiWis Stimme war ein leises Zittern zu spüren. Beinahe überschlugen sich seine Worte, weil es ihm so wichtig war, der Seele in bildhaften Sätzen zu erzählen, was er geträumt hatte.

 

«…stell dir vor, gleichzeitig wussten alle, was zu tun war. Es war still, ganz still und jeder begann ruhig zu atmen. Ohne Worte leitete die Gestalt uns an, in unsere Herzen zu atmen. Und im selben Augenblick nahmen alle ihre eigene Tür zum Herzen wahr. Sie war noch verschlossen – bei jedem. Und wir konnten ein kleines, trauriges, wütendes und verzweifeltes Kind vor dieser Herzenstüre sehen.»

 

"Wie aus Zauberhand erhielt im selben Moment jeder einen Schlüssel. Wir wussten sofort, dass dieser Schlüssel für diese Türe in den Herzensraum sein musste.  Manche haben noch etwas gezögert, andere begannen zu tun, was sie innerlich wussten. Jene, welche noch nicht den Mut hatten, wurden vom lichtvollen Wesen sanft berührt und fanden sogleich das Vertrauen. Sie steckten den Schlüssel ins Schloss und schon war jede einzelne Türe offen. Nach und nach trat bei jedem das kleine Kind in den Raum des Herzens ein.....»

 

LiWi hat Tränen in den Augen, so überwältigt ihn dieser Traum auch jetzt noch. Die Seele verhält sich ruhig und lächelt verständnisvoll, denn sie weiss, was Wunderbares geschehen ist.

 

«Es war wie ein Heimkommen. Eine tiefe Sehnsucht wurde im selben Augenblick erfüllt. Jeder hat seinem Kind ein zu Hause im Herzen gegeben und es liebevoll in den Arm genommen. Viele haben geweint, aus tiefer Dankbarkeit und Freude. Das Heimweh hatte ein Ende.«

 

Stille.

 

LiWi kann nicht mehr weitererzählen. So gerührt ist er von dem Gefühl, welches er noch immer tief in sich spürt. Es wird ihm jetzt erst richtig bewusst, was geschehen ist. Da sind so viele Eindrücke, die nicht erklärt werden können, sondern die einfach nur gespürt werden wollen.

 

Wortlos.  

 

Diese grosse Liebe ist nicht zu beschreiben. Er fühlt, wie sein Herz auch jetzt noch grösser und weiter wird und er so erfüllt von dieser Liebe ist, dass er sie mit anderen teilen kann. Ein tiefes, inneres Wissen ihm sagt, dass dieser Traum Wirklichkeit ist. Und er weiss, dass diese Liebe auf jeden von uns wartet, wir müssen nur bereit sein, zu vertrauen und sie zuzulassen.

 

LiWi ist die Hauptfigur im Buch "Tapferer kleiner Krieger" von Stefanie Seiler. Die Weihnachtsgeschichte ist ein Geschenk an alle und darf gerne geteilt werden.

Das Bild "Heim gehen" durfte 2017 entstehen. 

 

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